Die Grundlagen der Assoziator-Logik wurden von Dr. Susanne Bosche im Rahmen ihres Dissertationsprojekts als Reaktion auf zentrale Argumentationsmuster der theoretischen Archäologie entwickelt. Im Zentrum steht die Integration der Beobachterabhängigkeit von Aussagen in logischen Strukturen.
Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts wird in geistes- und kulturwissenschaftlichen Kontexten wiederholt auf grundlegende epistemologische und ontologische Spannungen in der wissenschaftlichen Praxis hingewiesen. Auffällig ist dabei, dass diese Einsichten zwar theoretisch thematisiert werden, in der konkreten Argumentation jedoch häufig unberücksichtigt bleiben. Ausgehend von einem interdisziplinären Interesse an Philosophie, Wissenschaftstheorie, Mathematik, Physik und Informationswissenschaften untersucht Dr. Susanne Bosche dieses Spannungsfeld aus der Perspektive des Verhältnisses zwischen Beobachter und Beobachtetem.
Im Zentrum steht dabei die erkenntnistheoretische Einsicht, dass ein Beobachter seine eigene Beobachtungsfähigkeit nicht beweisen kann, ohne sie zugleich vorauszusetzen. Der Versuch eines Selbstbezugs führt zur internen Ausdifferenzierung des Beobachters und zur gleichzeitigen externen Ausdifferenzierung seiner Umwelt – ein Prozess, der zur Entwicklung des Konzepts des Assoziators führte.
Assoziatoren sind funktionale Begriffe, mit denen ein Beobachter seine Umwelt oder sich selbst beschreibt, ohne diesen Begriffen einen eigenen ontologischen Status zuzuschreiben. Sie zeichnen sich durch eine doppelte Struktur aus: eine Außenabgrenzung (von außen beobachtbar) und eine Innenabgrenzung (aus der Innenperspektive, der jede Bezugnahme entzogen bleibt). Je nach Perspektive erscheinen diese Elemente als vorhanden, nicht vorhanden oder durchlässig. Aus der Innen- wie aus der Außenperspektive ergeben sich damit jeweils unterschiedliche Zustände und Bedeutungszuschreibungen. Da ein Beobachter beide Perspektiven nicht gleichzeitig einnehmen kann, ist jede vollständige Beschreibung mit zeitlichen Verschiebungen verbunden, die wiederum neue Assoziatoren erzeugen. Auf diese Weise entsteht eine potenziell unendliche Verschachtelung von Beobachtungsebenen.
Die Assoziator-Logik formalisiert diese Struktur und bietet ein argumentatives Instrumentarium zur Anwendung auf Fragen der kulturellen und menschlichen Handlungsanalyse – insbesondere dort, wo klassische oder nicht-klassische Logikmodelle an ihre Grenzen stoßen.
Publikationen mit Bezug zum Projekt
S. Bosche, Romanisierung ohne Rom? Überlegungen zum Charakter eines Phänomens. Beitrag zum Kongress „Romanisation – Romanization ?!?“, Heidelberg, 15-17. Dezember 2017 (im Erscheinungsvorgang)
S. Bosche, Distanzen. über die Beobachtung von Übermittlungen im republikanischen Italien (Diss. Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 2023), DiAuViS Schriftenreihe I (Heidelberg 2023), ‹http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/33937›
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